Die Schildkröte, die Sommerseufzer sammelte

Hoch über den Wiesen, wo der Himmel die Farbe von Pfirsichhaut und langsamem Honig annahm, lebte eine Schildkröte namens Pim.

Pim war sehr alt. So alt, dass sein Panzer das sanfte Grau von Flusssteinen trug, und so alt, dass er nicht mehr genau wusste, wann er aufgehört hatte, Post und Pakete zu fliegen, und angefangen hatte, leisere Dinge zu befördern.

Sein Ballon war mit zwölf verschiedenen Blautönen geflickt. Der Korb, in dem er stand, war aus Weidenruten geflochten und knarrte so, wie alte Sessel knarren, wenn sich jemand mit einem Seufzer hineinsinken lässt.

Jeden Abend, gerade wenn die Sonne ihre Wange an die Hügel lehnte, löste Pim sein Halteseil vom Apfelbaum und stieg in die Luft.

Wusch, machte der kleine Brenner.

Knarr, machte der Weidenkorb.

Und hinauf ging es, langsam wie ein Gedanke kurz vor dem Einschlafen.


Pim sammelte keine Post mehr. Er sammelte etwas viel Zarteres.

Er sammelte die letzten warmen Seufzer der Sommernachmittage.

Wisst ihr, wenn der Tag lang und golden gewesen ist, und die Bienen ihre langsame Arbeit beendet haben, und die Kinder mit Gras an den Knien nach Hause gerannt sind, dann lässt der Nachmittag einen langen, weichen Atem fahren. Er duftet nach Klee und warmem Stein und ein wenig nach sonnenmüden Rosen.

Wenn niemand diesen Atem auffängt, treibt er einfach in die Dunkelheit hinaus und wird vergessen.

Pim mochte es nicht, wenn warme Dinge vergessen wurden.

Also flog er tief über die Wiesen, tiefer als die Schwalben, und er ließ einen zweiten Korb an einem langen silbernen Faden hinab. Dieser Korb war noch kleiner, mit Lammwolle ausgekleidet, und er hatte keinen Deckel — nur ein Schweigen.

Hinab, hinab, hinab glitt er und streifte die Spitzen der hohen Gräser.

Und einer nach dem anderen kletterten die warmen Seufzer hinein.

Der Seufzer eines Heuhaufens, der den ganzen Tag in der Sonne geschlummert hatte.

Der Seufzer eines Teichs, dessen Enten endlich die Köpfe unter die Flügel gesteckt hatten.

Der Seufzer einer Steinmauer, die noch immer die Mittagswärme in ihrem alten grauen Herzen hielt.

Der Seufzer eines Pfirsichs auf der Fensterbank, der davon träumte, ein Kuchen zu werden.

Pim summte bei der Arbeit. Es war ein altes Pilotensummen, ohne bestimmte Melodie, ein Summen, das gut zwischen zwei Gähner passt.


Als der Korb voll war — und man konnte sehen, dass er voll war, weil er sanft zu leuchten begann, in der Farbe von Butter — zog Pim ihn an seinem silbernen Faden wieder hinauf, Pfote über geduldige Pfote.

Er stellte ihn behutsam neben sich.

Dann wandte er seinen Ballon dem Dorf zu.

Unten leuchteten die Fenster nach und nach auf, wie kleine freundliche Augen, die sich öffnen. Pim flog so leise, dass niemand hinaufsah. Niemand sah jemals hinauf. Das war Teil des Zaubers; an eine Schildkröte in einem geflickten blauen Ballon glaubt man am besten unter der eigenen Bettdecke.

Über jedem Haus griff Pim in den leuchtenden Korb und hob einen warmen Seufzer heraus.

Er ließ ihn fallen, langsam, so wie man eine Feder fallen lässt.

Hinab schwebte er, durch Schornstein und durch Fensterscheibe, durch den Spalt, wo die Katze hereinschlüpft, durch die weiche Naht unter der Tür.

Und er legte sich auf ein Kissen.

Ein Kind, das schon fast eingeschlafen war, atmete ein, und plötzlich roch sein Traum nach Klee. Oder warmem Stein. Oder einem Pfirsich, der auf der Fensterbank reifte.

Und es lächelte, ein winziges Lächeln, im Schlaf, ohne je zu wissen, warum.


Pim flog weiter, Haus für Haus, Seufzer für Seufzer, bis der Korb fast leer war und die Sterne herausgekommen waren, um ihm Gesellschaft zu leisten.

Den allerletzten Seufzer hob er immer für sich selbst auf.

Heute Nacht war es der Seufzer einer Wiese, die er seit langem liebte — einer Wiese mit einem krummen Apfelbaum und einer niedrigen Steinmauer, wo er seinen Ballon während der hellen Stunden des Tages festmachte.

Er hielt den Seufzer in seiner alten, faltigen Pfote. Er war warm wie Tee.

Dann atmete er ihn ein.

Und er steuerte, langsam, langsam, zurück zum Apfelbaum, wo das Seil wartete wie ein Freund, dem das Warten gar nichts ausgemacht hatte.

Der Brenner flüsterte sein letztes Wusch.

Der Weidenkorb gab sein letztes Knarr.

Pim band das Seil fest, klopfte gegen die Seite seines Ballons, wie man einen alten Hund klopft, und zog sich in seinen Panzer zurück.

Über ihm schaukelte die geflickte blaue Seide in der Dunkelheit wie eine große, schläfrige Himmelsqualle.

Unter ihm war die Wiese still.

Und irgendwo in einem kleinen Haus träumte ein Kind von Klee und warmem Stein und wusste nicht, dass eine sehr alte Schildkröte, die einst die Post geflogen hatte, den Tag wie eine Decke um es gefaltet hatte.

Schlaf nun ein.

Der Korb ist voll.

Das Seil ist festgebunden.

Und der letzte warme Seufzer des Nachmittags hat nach Hause gefunden.

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