Pip und die Laterne der kleinen Lichter

Am weichen Rand des Abends, als der Garten zu gähnen begann, wachte eine kleine Schnecke namens Pip auf.

Sie wachte immer zu dieser Stunde auf. Nicht wenn die Sonne laut war, nicht wenn die Bienen geschäftig summten — sondern wenn die Gänseblümchen ihre Blüten falteten wie kleine Hände, und der Mond leise über den Zaun stieg.

Auf Pips Häuschen saß eine Laterne, nicht größer als ein Fingerhut. Darin wohnte eine winzige Flamme in der Farbe von warmem Honig. Niemand wusste, wie die Laterne zu ihr gekommen war. Pip wusste nur, dass an manchen Nächten, wenn sie ihr Haus an ein kühles Blatt drückte, die Flamme leise summte, als wollte sie sagen: es ist Zeit.

Heute Nacht summte sie.

Pip streckte ihren langsamen, silbernen Körper und glitt unter ihrem Stein hervor. Der Gartenweg lag vor ihr, lang und blass im Mondlicht, übersät mit kleinen Glitzerpunkten — wie Sterne, die heruntergefallen waren, um näher zu schauen.

Es waren keine Sterne.

Es waren Tautropfen. Und viele von ihnen hatten sich verirrt.


Der erste Tautropfen saß zitternd auf einem Grashalm.

“Oh”, flüsterte er, als er Pip sah. “Ich weiß nicht mehr, von welchem Blatt ich kam.”

Pip lächelte das kleine Lächeln, das Schnecken lächeln, was meistens nur in den Augen geschieht. Sie drehte ihr Haus, sodass die Laterne einen Kreis aus Honiglicht um sie beide warf.

“Keine Sorge”, sagte sie. “Ich kenne den Heimweg für Tautropfen. Möchtest du mitfahren?”

Der Tautropfen glitt vorsichtig auf eine Windung von Pips Haus, gleich hinter die Laterne. Er war so leicht, dass Pip ihn kaum spürte — nur eine Kühle, wie ein Kuss auf den Rücken.

Weiter ging es, langsam wie ein Wiegenlied.

Sie kamen an den schlafenden Löwenmäulchen vorbei. Sie kamen an der alten Gießkanne vorbei, die auf ihre blecherne Art schnarchte. Sie kamen an einem Käfer vorbei, der seinen glänzenden Hut lüftete und seinen Käferweg fortsetzte.

Endlich blieb Pip unter einem breiten grünen Blatt stehen — einem Klee mit drei weichen Kammern.

“Hier?”, fragte der Tautropfen.

“Hier”, sagte Pip.

Der Tautropfen glitt von ihrem Haus und ließ sich in der Mitte des Klees nieder, wo er das Laternenlicht auffing und leuchtete wie ein kleiner eigener Mond.

“Gute Nacht”, flüsterte er.

“Gute Nacht”, sagte Pip.


Es gab noch andere.

Einen Tautropfen auf dem Kies, der zu weit von der Rose gerollt war. Pip trug ihn zurück, und die Rose neigte den Kopf zum Dank, ihre Blütenblätter schwer vom Schlaf.

Einen Tautropfen, der auf einem Schneckenhaus balancierte, das nicht Pips war, sondern ihrem Vetter Brombeer gehörte, der schon träumte. Pip schob den Tautropfen sanft auf einen Farn, wo er hingehörte, und Brombeer rührte sich nicht einmal.

Einen Tautropfen, der auf einem Trittstein gelandet war und Angst hatte, zertreten zu werden. Pip leuchtete den Weg zu einem Moospolster, so weich, dass der Tautropfen den längsten Seufzer seufzte und in Ruhe zerfloss.

Eines nach dem anderen kehrten die kleinen Lichter am Weg heim.

Pips Augen wurden schwer. Schnecken, müsst ihr wissen, sind sehr gut darin, müde zu sein. Es ist eine ihrer feinsten Begabungen. Ihre Laterne flackerte — nicht weil sie müde war, sondern weil ihre Arbeit fast getan war.

Am Ende des Weges fand sie einen letzten Tautropfen.

Er war der allerkleinste, nicht größer als ein Mohnsamen, und saß ganz oben auf der Spitze eines Grashalms und schaute hinauf zum Mond.

“Hast du dich verirrt?”, fragte Pip leise.

“Ich glaube nicht”, sagte der winzige Tautropfen. “Ich glaube, ich bin genau dort, wo ich sein möchte. Aber ich habe darauf gewartet, dass jemand einen Augenblick bei mir sitzt.”

Also setzte Pip sich. Sie schmiegte ihren langsamen Körper an den Halm, und die Laterne auf ihrem Haus glühte still und klein, und gemeinsam sahen sie zu, wie der Mond seine silbernen Finger durch den Garten kämmte.

Der Wind verstummte. Die Blätter neigten sich. Irgendwo, sehr weit fort, sagte eine Eule ein einziges leises Wort und schwieg dann.

Pip spürte, wie ihr Haus warm wurde. Sie spürte, wie sich der Pfad unter ihr setzte. Sie spürte, wie sich die Flamme der Laterne zusammenrollte wie eine Katze in ihrem Bett.

“Gute Nacht, kleines Licht”, sagte der Tautropfen.

“Gute Nacht”, sagte Pip, “gute Nacht, gute Nacht.”

Und sie schloss die Augen dort unter dem Mond, während der Garten leise um sie herum atmete, und die letzte kleine Flamme Wache hielt — bis auch sie endlich schlief.

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